Eins plus Eins


Bild: fuckyouverymuch.dk

In den Grundzügen, sind wir doch alle mal ehrlich zu uns selbst: hat jeder von uns Schiss. Vor Spinnen, vor Wasser, vor Prüfungen, oh und vor allem vor Streit, Verletzung, Enttäuschung oder Bindung. Kommt ein Mensch in unser Leben, tritt das lawinenartig seltsamste Dinge los. Wild wird mit Freunden diskutiert, wann man sich melden soll, wie viele Minuten nach der letzten Sms warten, wann das erste mal Sex, wann „das große Gespräch“, und überhaupt.



Zweifel werden geschürt, genährt, überwunden, unterdrückt. Drei Tage nichts hören verursachen Konzentrationsmangel, Panikattacken und Herzrasen. Und eine Universallösung. Gibt. Es. Nicht. Geschuldet sind dümmste physische Reaktionen immer dem eigenen Background: die Summe aller Erfahrungen und Erwartungen, multipliziert mit dem Reifegrad der eigenen Einsicht und Lockerheit, plus emotionaler Faktor x im Quadrat.

Dass Mathe scheiße ist, wissen wir nicht erst spätestens seit wir uns die Frage nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner stellen mussten – hier korreliert selbige Frage mit einer Versagensangst, die weiter greift als eine rote 6. Und rechtfertigen müssen wird man sich hinterher nicht mal vor seinen Eltern, sondern einzig vor sich selbst. Und hier kommt auch schon der Knackpunkt: man selbst ist sich der größte Feind, größte Kritiker, die größte Hürde.

Denn bei jedem äußern sich Grundformen der Angst, wie Riemann sie bezeichnet, anders. Der Eine braucht unheimlich viel Nähe und Zuwendung, während dem Anderen nichts wichtiger ist als seine Freiheit. Wer immer die Kontrolle haben will, wird versuchen den Anderen zu unterdrücken oder einzusperren. Dann das ewige Thema Eifersucht... letztlich immer mit dem gleichen Ziel: Verstanden werden, geliebt, anerkannt, so wie man eben ist. Verbunden immer mit der Herausforderung: kann ich den Anderen auch so stehen lassen? Und was machen wir daraus?

Wie viel Nähe verträgt ein Mensch, wie viel Freiheit braucht er? Im besten Fall ist das Verhältnis ein ausgewogenes und jeder lebt auch sein eigenes Leben weiter wie gewohnt, die Überschneidung beider als Nonplusultra. Im schlechtesten Fall zieht man nach ein paar Wochen zusammen ob des unermesslichen Nähebedürfnisses und bekommt wenige Monate später das Kotzen.  Das andere Extrem ist, dass man vor lauter Eins mit sich selbst sein das Zwei-Sein vergisst, und wegstößt.

Ob oder wie gut das funktioniert ist wohl auch immer Erkenntnis-, Typ- und vor allem Frage der Kompromissbereitschaft. Manchmal ist Eins plus Eins eben Eins. Und manchmal geht die Rechnung nicht auf. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen