Urban Explorer.


Fünf Mittzwanziger machen sich auf den Weg in den Berliner Untergrund. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn Kriegsfilme beginnen, an Aktualität zu mangeln, nimmt man eben das, was übrig blieb: Die unterirdischen Gänge unter den U-Bahnen Berlins. Als „urban explorers“ erkunden sie das Dunkle und menschenleere unter der Urbanität, das Ziel ist nach unterirdischem Diskobesuch ein zugemauerter Nazi-Bunker, Nazi-Graffiti included. Natürlich bleibt es nicht dabei. Natürlich avanciert der Film zum Thriller.

Natürlich reichen Kakerlaken oder auch zwei aus dem Nichts kommende Neo-Nazis mit Bulldogge nicht aus für den Thrill. Erst muss jemand fallen und sich verletzen, und dann muss ein psychotischer Ex-DDR-Grenzpatron her, der alle jagt. Soviel zum doch recht überschaubaren und vorhersehbaren Plot.

Bild: wieistderfilm.de
Ein Kammerspiel hätte es werden können, würde die Darstellungskraft der immer weniger werdenden Schauspieler genügen. Stattdessen wird er, vor allem durch die irre Mimik Klaus Stiglmeiers stellenweise zur Farce. Und persifliert damit gesamtes Horror-Thriller-wer-bleibt-übrig-Genre und nicht zuletzt sich selbst. Das vermeintlich schlimme daran: eigentlich will es dieser Film vermutlich ernst meinen. Dennoch ist es lustig mit anzusehen, wie einer der Hauptdarsteller, anstatt einfach den abgeschraubten Bettpfosten, an den er gefesselt ist zu nehmen, um seinen Widersacher zur Strecke zu bringen, lieber minutenlang damit herumläuft und nach einer Gabel greift.

Im letzten Drittel aber schafft es der Film dennoch, seine Anfänge zu übertreffen. Immersion, also das eintauchen in eine fremde Welt, funktioniert mitunter dann am besten, wenn man glaubt zu spüren, was da passiert. Beim Thema Schmerz nämlich. Oder wenn Action und Schock langsam beginnen, überzuspringen. Zumal der Film es schafft, mehrmals mit sich selbst und den Erwartungen der Zuschauer zu brechen.

Davon abgesehen, dass wir nun endlich eine Szene haben, die die Panik beim Satz „Die Fahrkarten bitte!“ auszudrücken vermag ... Nicht alles muss so unterirdisch enden, wie es angefangen hat.

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