Melancholia.



Die Welt untergehen lassen, das ist kein neues Thema im Film. Emmerich hat es schon das ein oder andere Mal versucht... Dass es Lars von Trier in „Melancholia“ besonders imposant schafft, sicherlich keine Überraschung. Wenn auch das Endzeitszenario als solches in seiner bildnerischen Kraft nur am Anfang und am Ende zu Vorschein tritt. Surreal und Chiriko-ähnlich, pittura metafisica hier das Stichwort, erstrahlt der Weltuntergang bei von Trier. Das von Trier auch Auftakte schafft, die große Augen machen,  ist nichts Neues – in „Antichrist“ ebenso wie „Melancholia“.

Diesmal in einem Zweiakter und ohne rettende deus-ex-machina, zerschmettert er die Welt ganz, nicht nur das männliche Gemächt und alles was mit Männlichkeit assoziiert wird, wie in „Antichrist“. Und scheint aus seiner eigenen Depression, mit der er im Vorgänger noch anders umgeht, aus ihr herauszufinden. Denn trotz Endzeitstimmung und Weltuntergang ist ein Ende doch auch immer ein Anfang.

Bild: inside-movies.de
Zwischen Kollision und Erde ist bei von Trier, was letztlich immer zählt: der Mensch. Und zwischenmenschliche Beziehungen und Existenzen, getrieben bis zur Grenze. In diesem Fall liegt eingebettet ein Familiendrama, Depression, eine gescheiterte Hochzeit. Nicht ohne eine Kirsten Dunst am Rande ihrer Selbst.

Ein Süddeutsche – Journalist schreibt: „Geil, wie hier die Erde verschwindet, in einem Super-Orgasmus!“ und misst dem Film eine sexuelle Komponente bei. Nun, dann scheint er entweder den Film verkannt zu haben oder aber noch nie melancholische oder depressive Verstimmungen gehabt zu haben.

Denn die Frage ist: Wann bricht Deine persönliche Welt zusammen? Wann brechen die Strahlen Deines Planeten Melancholia hinter der Sonne hervor und kommen Dir unaufhaltsam immer näher? Ist es vielleicht, wenn Deine Beziehung scheitert ... oder Du heiraten willst aber nicht kannst oder aber auch andersherum? Wenn Du Deinen Job verlierst oder kündigst? Wann hörst Du auf zu Sein oder zu Werden?

Die viel wichtigere Frage aber: Was tust du? Wenn Du das Gefühl hast, Dich nicht mehr bewegen zu können? Wenn du glaubst, nicht mehr aufstehen zu können? Wenn das Leben oder die Panik Dir den Atem nimmt? Gibst Du dich geschlagen, oder dem Gefühl hin? Suchst Du Halt oder verlierst ihn jeglich? Wirst Du lernen, damit umzugehen? Und was machst du daraus? Was ... also wirst Du tun?

Lehn Dich zurück wie im Kinosessel. Vielleicht mit Deinen Liebsten neben Dir. Lass es zu, denn das Leben ist zu kurz. Kollidiere. Stoß an auf das Leben.

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