Hört man den Namen Piet Mondrian, so denkt man automatisch an seine blau-rot-gelb-weißen, mit Schwarz gerasterten Kompositionen von Rechtecken. Was wirklich dahinter steckt und welch eine Entwicklung der Künstler bis zu seiner konzeptionellen Schaffenszeit hatte, ist hingegen weithin unbekannt.
Es gelingt der Mondrian- und De Stijl-Retrospektive im Kunstbau Lenbachhaus München, dem Betrachter einen Zugang hierzu zu verschaffen. An Kunstwerken wie „Metamorphose“ von 1908 und anderen Darstellungen von Bäumen und Kirchen wird ersichtlich, wie Mondrian seinen Weg über den Kubismus in die Abstraktion fand, und wie er, so wie andere Künstler der De Stijl- Gruppe, zum Beispiel Jacoba von Heemskerck, stark von Picasso beeinflusst wurden. Mondrian selbst sagte: „Sie (die neue Gestaltung) kann sich nicht hinter dem verstecken, was das Individuelle kennzeichnet, hinter natürlicher Form und Farbe, sie muss vielmehr in der Abstraktion von Form und Farbe zum Ausdruck kommen - in der geraden Linie und in der zur Bestimmtheit geführten Primärfarbe.“ Immer mehr zersplitterten die Farben und Formen in seinen Werken, bis er sich auf das Grundlegende besann: die quadratischen Formen. Indem er den Inhalt seiner Bilder auf Linien und Grundfarben reduzierte, wollte er eine „universelle Bildsprache“ zu Tage fördern, Kunst für das Volk schaffen.
Die Primärfarben waren, angetrieben von Theo van Doesburg, zugleich das Kennzeichen der Zeitschrift De Stijl, an der über die Jahre etliche Künstler von Rang und Namen, beispielsweise Severini, mitwirkten. Die Intention der Zeitschrift war es, zu einer Entwicklung eines neuen Schönheitsbewusstseins beizutragen, und zwar ganzheitlich. Der Gedanke war, wie schon im Jugendstil, alle Kunstformen zu vereinen, durch eine Grenzüberschreitung der Gattungen die Kunst auf alle Lebensbereiche auszuweiten. So finden sich in der Ausstellung auch Möbel sowie Entwürfe und Modelle für Häuser oder Messestände. Das Wirken der De Stijl Gruppe war weitreichend und zeigt seinen Einfluss bis heute, einige der Möbel („der rote-blaue Stuhl“ von Gerrit Rietvelds) genießen, ähnlich wie Fabrikate von Bauhaus, Kultstatus und waren Vorreiter des modernen Designs.
Betrachtet man die vernetzte Arbeitsweise der damaligen Künstler, ihr gemeinsames Schaffen, das auf ein Ziel gerichtet ist, nämlich, dem „Ottonormalverbraucher“ Kunst näher zu bringen, fällt auf: Seit dem Bauhaus gibt es diesen Gedanken in der Form nicht mehr. Künstler neigen heute eher dazu, ihre Arbeit zu mystifizieren anstatt eine Erklärung zu liefern. Auch das Kunstwerk steht meist für sich, ist dem Alltag entrückt. Und wenn Möbel kreiert werden, so sind es unbezahlbare Designerstücke.
Mondrians Werk, gerade die zweite Hälfte seines Schaffens, ist sicher keine leichte Kost, gerade wenn weiterführende Informationen fehlen. Diese und einen guten Ein- und Überblick liefert die Ausstellung, inklusive dem wehmütigen Gedanken, „so etwas könnte es doch mal wieder geben.“
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