Was derzeit sehr beliebtes Partymotto ist - grelle Farben, chaotisch kombiniert, dazu toupierte Haare und schlimmeres Make Up als in den 80ern, sofern möglich, ist bei vielen leider Programm: schlechter Geschmack. Darüber lässt sich ja bekanntlich streiten, was aber zum Beispiel die Clubtauglichkeit einer Latexleggins mit fast bauchfreiem Leo-Print-Top bei Speckhüften angeht, spreche ich wahrscheinlich nicht nur für mich. Viel schwieriger als bei Modefragen, die sowohl Trend-, Saison-, Cliquenzugehörigkeits- als auch Gewichtsabhängig sind, wird es in Sachen Film.
Meine These ist: anhand der DVD-Sammlung scheiden sich mitunter nicht nur Geister, sondern auch Menschen. Jetzt möchte ich natürlich nicht meinen Geschmack und meine Sehgewohnheiten über die von Anderen stellen... aber wo bei mir der Spaß aufhört, fängt er bei vielen leider erst an. Filme wie "Leg dich nicht mit Zohan an" oder jegliche Fortsetzungen von "American Pie", ebenso die von "Scary Movie" mögen vielleicht irgendwie ihre Daseinsberechtigung haben (wo Nachfrage da Angebot da Geld für die Industrie da mehr Verblödung). Aber ernsthaft, ist das denn nötig? Nun gut, es sich mal ansehen, um sich wenigstens über das Niveaulimbo auslassen zu können, ist das Eine. "Bylight" beispielsweise ist so überzogen schlecht, dass er fast wieder gut sein könnte. Rodriguez treibt es in "Machete" mit vollster Absicht auf die Spitze und rammt uns den Splatter-ich-zeug-euch-wie-schlecht-ich-kann-Dolch mitten ins Herz.
Aber gleich seine filmische Unkenntnis im Regal zur Schau stellen? Und... wenn jemand eine solche Einseitigkeit an den Tag legt, hat das dann eine zwischenmenschliche Basis? Sagt es vielleicht nicht nur aus, dass man was den Humor angeht nicht auf einer Wellenlänge ist sondern eventuell sogar anderweitig nicht auf einen Nenner kommt?
Dass die breite Masse im Kino mehr unterhalten werden will als nachdenken, leuchtet ein. Nicht umsonst begann die Karriere des Kinos als ein "Kino der Attraktionen" auf Jahrmärkten. Der Großteil der Kinogänger IST einfach leider nicht philosophisch bewandert oder schaut gerne mit Untertiteln, geschweige denn Filme die nicht den Blockbuster-Stempel tragen. Auf der anderen Seite ziehen Filme wie Nolans "Inception" viele an, die aber die Tiefe solcher Werke gar nicht wirklich begreifen.
Ich möchte nicht den Geschmack und das Niveau einer ganzen Nation anheben, was undenkbar wäre und letzten Endes auch langweilig. (Und, mal ehrlich: was wäre das Nachmittagsfernsehen ohne sich ankeifende Arbeitslose oder Menschen die Spaghetti von Bäuchen essen? Auch hier ist ja ab und an eine humoristische Perle zu finden.) Zudem ich selbst mich ja auch irgendwo zwischen Arthouse und Mainstream verorte - und schnell an meine eigenen Grenzen stoße. Aber ich plädiere für mehr Offenheit und mehr Unterstützung jener Filme, die nicht nur flach und nichts sagend sind, für ein stückweit mehr Kunst im kommerziellen Business. Denn leider bleibt so auch vieles unentdeckt.
Bis dahin: wer will möge bitte Cordschlaghosen mit bauchfreiem Korsett tragen. Oder Buffalos mit Röhrenjeans und Arschfrissthose.
Jedem das Seine. Und das Beste für mich.
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