Manchmal würde ich Worte gerne festhalten können, während
sie so durch die Luft schwirren, dich soeben verlassen haben, mich vielleicht
noch nicht ganz erreicht, aus deinen Gedanken externalisiert wie ein Voice Over
eines Erzählers eines Filmes, der von Momentaufnahmen handelt. Er erzählt von
lautlos berauschten Momenten stiller Gedanken, der unausgesprochenen
Sehnsüchte, der Begierde, von Zuneigung
gar, irgendwo zwischen den Zeilen. Von
unbewusst angedeuteten Versprechungen, stets unter dem Deckmantel der Unverbindlichkeit
und Privatheit.
Jeden der im virtuellen Raum rumschwebenden Buchstaben
möchte ich einzeln greifen und unter meinem Kopfkissen verstauen, um sie
herausholen und anfassen und herumdrehen und begreifen zu können, wenn ich das
Gefühl habe, sie entgleiten mir. Möchte jedes Wort genau abwägen können,
haptisch, sensuell, sie ordnen, um Fehlinterpretationen und Buchstabensuppe zu
vermeiden. Möchte sie ihrem geschriebenen Status entreißen, sie real werden
lassen, mir deuten lassen, was das Wort „Bedeutung“ eigentlich für eine
Bedeutung hat.
Dann würde ich ihnen zuhören, was genau sie eigentlich zu
sagen haben, sie fragen, ob sie nicht eigentlich etwas anderes meinen – und
warum sie gewisse Dinge nur spät Nachts auszusprechen wagen, von Rechtschreibfehlern
durchsetzt. Oder warum sie dann wieder ausbleiben. Würde einige von ihnen
kräftig durchrütteln, andere eng an mich drücken, sie zwingen mich anzusehen
und zu fühlen, was ihnen in ihrer schlichten Existenz möglicherweise entgeht. Ihnen zeigen, wie wertvoll sie sind, ihre
Existenzangst nehmen, die Tür öffnen zu einem Wunderland, in dem sie nicht nur
Schall und Rauch einer rauchenden Raupe sind.
Wir würden uns aneinandergeklammert gegenseitig versichern,
dass sie nicht nur Zusammenschluss semiotischer Zeichen sind oder Teile von
Syntax, sondern Wahrheit. Uns würde klar, dass das Medium die Botschaft ist,
und Kommunikation wäre nicht zu komplex. In einer Black Box säßen wir dann und
würden kichern über vorherige Missverständnisse und –deutungen, würden uns
endlich zu fassen kriegen. Bis uns dann auffiele, was wir übersehen hatten: Ein
kleines Wörtchen. Vier Buchstaben. „Wenn.“

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